
Am zweiten Weihnachtsfeiertag ist Johanna Ullmann verstorben. Es ist, als ob sie noch einmal – wie der alte Simeon und die alte Hanna aus dem Evangelium – das Christkind, das Heil der Welt sehen durfte. Und dann im Frieden Gottes scheiden.
Mich hat die Prophetin auch noch in anderer Weise an unsere Verstorbene erinnert – sie heißt Hanna und ist eine Witwe von über 80 Jahren. Sie sprach zu allen, die auf die Erlösung warteten.
Wir denken heute an Hanni Ullman – auch eine Witwe von über 80 Jahren. Als Christen dürfen wir vertrauen, dass unsere Verstorbene im Tod Jesus begegnen – und in ihm Erlösung und Frieden findet.
Hanni Ullman wurde 1939 geboren. Als junge Frau hat sie geheiratet. Dem Paar wurde eine Tochter geschenkt. Die längste Zeit ihres Lebens hat sie in Eggstätt gelebt.
Sie liebte Blumen und hat ihren Garten penibel und akkurat gepflegt. Dieses Genauer war wohl auch eine besondere Eigenart von ihr.
Sehr gern mochte sie auch Stricken. Stricken ist wie das Leben.
Ein Text von Ulrich Schaffer nimmt diesen Gedanken auf:
Jeder Tag ist ein Auftrag an mich, an mein Leben in bunten Farben zu weben und zu stricken.
Jeder Tag ist ein Meister im Einfädeln, ist gespickt voll mit Nadeln und Wolle, die darauf warten genutzt zu werden.
Das ist Grobes und Feines zu nähen, mit festem oder feinem Garn.
Ein Wollfaden ist schwer einzufädeln und Seide nicht leicht zu nähen.
Da steppe ich, hier umsäume ich. Masche um Masche füge ich zusammen
Was der Tag mir angeboten hat. Daraus wird ein Kleidungsstück,
ein Geschenk, eine Erinnerung, eine Herausforderung, eine bunte Decke, mit meiner ganzen Lebensgeschichte.
Vielleicht lässt sich der Text für unserer Verstorbene noch weiterführen. Und sie, die sie die Verstorbene gekannt und Erfahrungen mit ihr gemacht haben, können wohl das ein oder andere mit ihr und vielleicht auch mit dem eigenen Leben verbinden – wie in einem Lebensstrickwerk.
Mit dem Maschen anschlagen beginnt das Werk – da kann man noch nicht sehen, was draus wird. So wie man bei einem Neugeborenen noch nicht weiß, was das Leben bringt, aber alle wünschen, dass es gut werden und gelingen möge.
Gott wird ausreichend Kraft – ausreichend „Wolle oder Garn“ für eine ganzes Leben bereithalten.
Ruhe in Frieden liebe Johanna